Geschichte der Mikrofinanzierung

Geschichte der MikrofinanzierungEine Mikrofinanzierung ist ein Kleinkredit oder Mikrokredit, dessen Summe zwischen einem und tausend Euro liegt. In der EU ist eine Obergrenze des Finanzierungsvolumens von 25.000 € üblich. Bei der Mikrofinanzierung vergeben Finanzdienstleister und nicht staatliche Organisationen Kredite an Bevölkerungsgruppen, die aus verschiedenen Gründen von Banken keinen Kredit bekommen würden. Meist dient der Kleinkredit oder der Mikrokredit zur Förderung und Entwicklung beispielsweise als Starthilfe für Kleingewerbetreibende. Auch ärmere Menschen, die in Entwicklungsländern leben, haben durch einen Mikrokredit die Möglichkeit, sich einen angemessenen Lebensstandard zu leisten.

Die Entwicklung der Mikrofinanzierung begann bereits vor 150 Jahren auf Basis des Selbsthilfe- und Solidaritätsprinzips. Noch heute arbeiten viele Mikrofinanzinstitute nach diesem Geschäftsmodell. Im Jahr 1976 rief Muhammad Yunus ein Programm der Mikrofinanzierung in Bangladesch ins Leben, aus dem sieben Jahre darauf die Grameen Bank entstand. Für ihr Engagement um die „wirtschaftliche und soziale Entwicklung von unten“ wurden Muhammad Yunus und der Grameen Bank 2006 der Friedensnobelpreis verliehen. Anfang der 90er Jahre zeigte sich in Europa eine zunehmende Finanzierungslücke für die steigende Zahl der Menschen, die sich aus einer Arbeitslosigkeit selbstständig machten und die Idee der Mikrofinanzierung kehrte zurück. So entstanden in den Folgejahren immer mehr Modelle, um Existenzgründer mit Kapital zu unterstützen. In den Niederlanden wurde das Programm „Tante Agathe“ gegründet, in Frankreich entstand 1989 die gemeinnützige „Aide“. Die „Aide“ hat sich bis 2007 etwa 100 Zweigstellen aufgebaut und vergibt über 10.000 Kleinkredite an Sozialhilfeempfänger im Jahr. 1995 wurde von der Weltbank eine „Beratungsgruppe für die Unterstützung der Armen“, die CGAP (Consultative Group to Assist the Poor) gegründet. Diese Initiative hat das Ziel, 200 Millionen US-Dollar zu für die Vergabe von Kleinkrediten zu mobilisieren. 2005 wurde von den Vereinten Nationen das „Jahr der Mikrokredite“ ausgerufen.

Die Mikrofinanzierung wird mittlerweile als wichtiges Instrument zur Reduktion von Armut erkannt. In der Bundesrepublik Deutschland vergeben anerkannte Finanzdienstleister und Mikrofinanzorganisationen wie z. B. die KfW Entwicklungsbank oder die DEG (Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft) oder die GLS-Bank in Zusammenarbeit mit dem BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) Kleinkredite an Existenzgründer und unterstützen den Auf- und Ausbau der Mikrofinanzorganisationen in Deutschland.